Agiles DataWarehouse mit SAP BW

Agilität ist in aller Munde. Es stellt sich jedoch die Frage, ob alle, die von Agilität sprechen sich bewusst sind, dass unter diesem Begriff unterschiedliche Frameworks (Methoden, Ansätze) gemeint sind. Dazu zählen Lean (Wertmaximierung durch Vermeidung von Verschwendung), Kanban (Work in Progress), SAFE (Groß angelegte Anwendung agiler Prozesse in einem Unternehmen), Lean Startup (Ansatz, um Produkte schnell marktfähig auszuliefern), DevOps (Enge Verbindung zwischen Entwicklung und Betrieb) und Scrum   (Iterativer Timeboxing-Ansatz zur Lieferung von Produkten). In der Regel wird bei agilen Methoden in der Softwareentwicklung eher unbewusst von dem Scrum-Ansatz gesprochen.

Dieser Beitrag beschäftigt sich damit, warum Methoden der agilen Softwareentwicklung im Bereich der Data-Warehouse (DWH)-Entwicklung sinnvoll und möglich sind.

Vom Klassiker in die agile Welt 

Meist werden Data-Warehouse-Projekte genau wie klassische Softwareprojekte nach der „Wasserfallmethode“ durchgeführt. Es werden Anforderungen gesammelt, aggregiert, bewertet und in einem Business Blueprint meist über Monate hinweg exakt festgehalten. Über diesen Zeitraum haben sich die Anforderungen des Kunden allerdings oftmals geändert, wurden neu priorisiert oder sind mittlerweile überholt. Hier gilt dann bei der Abnahme „Wie bestellt, so geliefert“. 

Ob dieses Vorgehen bedarfsgerecht oder kundenorientiert ist, ist eine rein subjektive Feststellung. Qualifiziertes Feedback und Bewertungen des Nutzungserlebnisses gibt es frühestens nach der ersten bzw. nach der produktiven Nutzung. Diese erste, gezielte Konfrontation mit dem Ergebnis ermöglicht es allerdings meist erst, die gestellte Anforderung genauer zu formulieren. Doch hier stößt die klassische Methode an seine Grenzen. 

Bei den klassischem BW 7.x sind bedingt durch die Technologie nachträgliche Änderungen am Datenmodell nur mit erheblichem Aufwand und somit schwer umsetzbar. Zielsetzung ist die Sicherstellung hoher Stabilität und Qualität. Bedingt durch die Orientierung an dem Layered Scalable Architecture (LSA)-Ansatz der SAP, werden Daten strukturiert aus den operativen Systemen aufbereitet und parallel mehrfach gespeichert. Diese beschriebene Vorgehensweise sowie die empfohlene Architektur können hervorragend mittels der wasserfallbasierten Projektmanagementansätze gesteuert werden. 

Durch Top-Down-Modellierung führen gewünschte Anpassungen meist schnell zu hohen Entwicklungsaufwänden. Des Weiteren ist das System nicht flexibel gegenüber Datenmodellanpassungen. Inkrementelle Weiterentwicklungen werden zusätzlich erschwert. In Summe bedeutet dies, dass neue Anforderungen genau geplant werden müssen. Hierzu wird meist neu beschrieben, welche Daten benötigt werden und auf welche Daten zurückgegriffen werden muss. Das hat zur Folge, dass vor der Entwicklung ein hoher Aufwand hinsichtlich der Planung des Datenmodells und der notwendigen Vorarbeiten zwingend erforderlich ist. 

In der Vergangenheit sind Systeme mit einer hohen Qualität und Stabilität gewachsen. Bedingt durch die unflexible Datenmodellierung kommt es nun allerdings zu steigenden Entwicklungszeiten und erhöhten Wartungskosten. 

Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, das DWH-Systeme nicht mehr in großen Releases geplant und weiterentwickelt werden sollten. Stattdessen sollten diese inkrementell durchgeführt werden, womit ein Grundgedanke des agilen Manifestes berücksichtigt wird. Hierzu können bestimmte Erfolgsfaktoren, wie das Umdenken der Architektur, die anforderungsgerechte Entwicklung und die feldbasierte Modellierung einen Beitrag zu mehr agilen Entwicklungen leisten. 

Agile Architektur 

SAP empfiehlt für SAP BW/4HANA-Systeme eine Architektur, die sich an der LSA++ orientiert. Dieser neue Ansatz zeichnet sich besonders durch das virtuelle Vorgehen aus. Hierdurch werden weniger Kopien von Daten zwischen Architekturschichten notwendig, wodurch die Architektur einfacher, kleiner und schneller wird. Dies bietet die Chance Data-Warehouse-Umgebungen schlank und einfach zu gestalteten. Treiber des gesamten Data-Warehouse sind die Business Anforderungen, durch deren Berücksichtigung eine bedarfsgerechte Entwicklung möglich ist. 

Agile, anforderungsgerechte Entwicklung 

Diese Art der Entwicklung bedeutet, dass sich Planung und Umsetzung an der definierten Anforderung orientieren und Anwender:innen schnell nutzbare Entwicklungen erhalten. Durch das frühzeitige Einbeziehen der User:innen wird ein flexiblerer Umgang mit Änderungswünschen sowie eine erhöhte Akzeptanz auf Anwenderseite gewährleistet.  

Mit Hilfe feldbasierter Modellierung in die Agilität 

Erstmals mit SAP BW/4HANA ist es möglich InfoProvider feldbasiert zu realisieren. Diese Art der Modellierung gilt primär als Beschleuniger innerhalb der eigentlichen Entwicklung. Dies ist bedingt durch die Datenintegration & Analyse, welche bereits in der Anforderung beschrieben sein sollte. Durch die Möglichkeit zur teilautomatisierten Erstellung von Datenmodellen in BW/4HANA und beinhalteten Datenflüssen, wird die Entwicklung zusätzlich beschleunigt. Somit sind erste Analysen bereits nach geringem Entwicklungsaufwand möglich. Anwender:innen können dadurch sehr schnell erste (einfache) Sichtungen der neuen Anwendungen und gegebenenfalls Prüfungen der Daten und somit der verwendeten Logik durchführen. 

Der bisherige Bottleneck eines BW-Projekts, die massenhafte InfoObjekt-Erstellung, wird optional und tritt in den Hintergrund. Durch dieses Vorgehen kann die Projektlaufzeit im Vergleich zum herkömmlichen Verfahren immens reduziert werden. 

Durch Remodellierungsjobs besteht die Möglichkeit, bei Bedarf nachträglich bestehende Felder gegen InfoObjekte zu tauschen. Hierdurch wird eine hohe Flexibilität während und nach der Entwicklung gewährleistet. 

FAZIT 

In der Vergangenheit war die Realisierung von SAP-BW-Systemen geprägt von langen Entwicklungszyklen, unflexiblen Datenmodellen, hohen Kosten bei Betrieb und Entwicklung sowie fehlender Anwenderorientierung bzw. dem zu späten Einbeziehen der Anwendermeinungen. 

SAP BW/4HANA bietet im Vergleich zu bisherigen (non-HANA) SAP-BW-Systemen die Möglichkeit, ein Data-Warehouse anforderungsgerecht und anwenderorientiert bereit zu stellen. Zwingende Voraussetzung ist allerdings ein konsequent „agiles Design“ der SAP-BW/4HANA-Systeme und eine agile Vorgehensweise in der Umsetzung. Die agile Modellierung mit BW/4HANA ist eine Voraussetzung, um BW/4HANA-Systeme schnell und einfach an zukünftige Veränderungen anzupassen. Wichtigstes Kriterium neben dem agilen Design des Data- Warehouse ist das Bewusstsein, dass auch der Entwicklungsprozess und die bestehende Organisationskultur Agilität erlauben müssen.  

Hierdurch besteht die Chance, Entwicklungszyklen deutlich zu verkürzen, Komplexität zu mindern, Kosten zu reduzieren und die Akzeptanz von SAP-BW-Systemen zu verbessern. 

 

Autor: Christian Meyer