Automotive und Blockchain – Das eigene Fahrzeug an Unbekannte vermieten

Carsharing, Automotive und Blockchain  – Das eigene Fahrzeug an Unbekannte vermieten

Wer kennt es nicht, wir nutzen das eigene Auto, um zur Arbeit oder in den Urlaub zu fahren aber auch für den Einkauf. In der Zwischenzeit stellen wir das Fahrzeug irgendwo ab und benutzen es nicht.

Laut der Studie vom MID 2017[1] werden Fahrzeuge durchschnittlich 80 Minuten mit einem durchschnittlich zurückgelegten Weg von 39 km am Tag verwendet. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass ein Fahrzeug im Durchschnitt ca. 22,5 Stunden am Tag steht. Ebenfalls ist der Studie des MID zu entnehmen, dass die Anzahl der verfügbaren Fahrzeuge in deutschen Haushalten von 38 Mio im Jahr 2002 auf 43 Mio Fahrzeuge im Jahr 2017 gestiegen ist.[2]

Wie schön wäre es denn, wenn wir das eigene Fahrzeug über die Dauer der Nicht-Nutzung einfach an eine fremde Person, die gerade ein Fahrzeug benötigt, weitervermieten könnten. Zum einen könnte der Verdichtung des Verkehrs entgegengewirkt werden und zum anderen könnten wir auf diesem Weg die Unterhaltungskosten, wie beispielsweise Steuern, Wartungsarbeiten oder auch Versicherungskosten teilen oder sogar einen kleinen Taler für den nächsten Urlaub zurücklegen.[3]

Was hindert uns am Vermieten des privaten Fahrzeuges?

Eine große Komplexität herrscht dabei bei den Versicherungen. In der Regel müssen Fahrer eines Fahrzeuges bei der jeweiligen Versicherung hinterlegt werden.[4] Doch wie sollen wir das anstellen, wenn wir die andere Person doch gar nicht kennen. Ein weiteres Hindernis stellt höchst wahrscheinlich das Vertrauen in die andere fremde Person dar. Wie können wir darauf vertrauen, dass wir unser Fahrzeug wieder zurückbekommen oder dass der vereinbarte Mietpreis gezahlt wird? Selbstverständlich gibt es heutzutage schon Plattformen, die es einem Fahrzeugbesitzer ermöglichen, das eigene Fahrzeug zu vermieten. Allerdings ist der bürokratische Aufwand dahinter sehr groß, Fahrzeug- und Fahrzeughalterdokumente müssen zur Verfügung gestellt und irgendwo hinterlegt werden. Der Mieter des Fahrzeuges muss ebenfalls Dokumente wie Führerschein oder Bankinformationen hinterlegen.[5] Wodurch sich die Frage stellt, wo und wie sicher werden diese Daten dann hinterlegt?

Einen möglichen Lösungsansatz bietet die Blockchain-Technologie:

Die Eigenschaften der Blockchain-Technologie heben sich zur Lösung dieses Problems deutlich hervor. Die hinterlegten Informationen in einer Blockchain sind fälschungssicher, transparent und für alle Teilnehmer der Blockchain nachvollziehbar. Wie soll das nun funktionieren? Ein erzeugter Datensatz wird über ein dezentrales Netzwerk, das aus mehreren Rechnern bestehen kann, verifiziert und gespeichert. Dieser Datensatz beinhaltet eine Transaktion, d.h. Informationen, die zwischen Wirtschaftssubjekten übertragen werden sollen. Diese Transaktion wird kryptografisch verschlüsselt und an einen anderen Datensatz, der ebenfalls aus einer Transaktion besteht, als Block angehangen, sodass eine Kette aus einzigartigen, eigenen und nachvollziehbaren Datensätzen, eine Blockchain entsteht.[6] Diese Sammlung von Transaktionen kann als ein offen einsehbares Hauptbuch verstanden werden, in dem die Transaktionen dokumentiert sind.  Exakt dieses Hauptbuch wird nun auf jedem teilnehmenden Rechner im Blockchain-Netzwerk gespeichert, womit eine anschließende Änderung der Daten unwahrscheinlich ist, da ein Konsensmechanismus eingesetzt wird, um sicherzustellen, dass alle teilnehmenden Netzwerke eine identische Kopie der Blockchain besitzen.[7] Somit würde eine manipulierte Kette ausgeschlossen werden. Weiterhin für die Umsetzung mit der Blockchain spricht die Sicherheit, Daten die zur Identifizierung benötigt werden, könnten überprüft werden ohne dass diese Daten jemand anderem zugänglich gemacht werden.[8] Zukunftsvisionen sprechen hier von dem sogenanntem „Zero Knowledge Proof“, der es ermöglichen soll, vertrauliche Daten zu überprüfen, ohne diese Daten anzuzeigen.[9]

Wie bringt uns das nun weiter, um das eigene Fahrzeug zu vermieten?

Nun ja, wenn wir das eigene Fahrzeug auf dem Prinzip der Blockchain vermieten, hätten alle Teilnehmer der Blockchain Zugriff auf das Fahrzeug ohne großen bürokratischen Aufwand sowie mit der Sicherheit, dass der vereinbarte Geldbetrag überwiesen und das Auto auch wieder zurückgebracht wird. Die Basis hierfür stellt der Smart Contract. Ein Smart Contract ist ein Vertrag, der auf Softwarebasis erstellt wird und in dem die verschiedensten Vertragsvereinbarungen hinterlegt werden können, die bei Erfüllung oder Nichterfüllung eine autonome Aktion auslösen können.[10]  Jeder Nutzer würde für die angeforderten Informationen wie Führerschein oder auch Bankinformationen einen Datensatz generieren. Bei der Anfrage eines Fahrzeugmieters an den Fahrzeugvermieter wäre die Prüfung der Daten schon vollzogen und der Fahrzeugvermieter müsste nur noch sein Einverständnis geben. Auch für die Autoschlüsselübergabe würde sich die Nutzung der Blockchain Technologie anbieten. Nach Bezahlung des vereinbarten Betrages könnte das Auto automatisch entsperrt werden. Bei älteren Fahrzeugmodellen müssten hierzu Sensortechniken nachgerüstet werden, wobei bei neueren Modellen die Öffnung des Fahrzeuges via App oftmals schon vorhanden ist. Schwierige Terminkoordinationen der teilnehmenden Parteien würden somit ebenfalls entfallen.[11] Aufgrund von Sensortechniken könnten Fahrzeugzustände wie Tankfüllstand oder auch Unfallschäden ebenfalls automatisch in die Blockchain aufgenommen und somit Verantwortungen klar zugeordnet werden. Bleiben uns noch die Versicherungen. Wie oben erwähnt, müssen zusätzliche Fahrer eines Fahrzeugs bei der jeweiligen Versicherung gemeldet werden. Einige Versicherungen haben hierzu schon Modelle auf dem Markt, bei denen eine gewisse Anzahl an zusätzlichen Fahrern über einen begrenzten Zeitraum ganz einfach gemeldet werden können, ohne das dem Versicherten Extrakosten entstehen. Weiterhin gibt es Versicherungsanbieter, die sich darauf spezialisiert haben, über Zusatzpolicen weitere Fahrer eines Fahrzeugs tageweise zu versichern. Diese Zusatzpolicen laufen neben der eigentlichen Versicherung des Versicherten und sind für den Schutz eines zusätzlichen Fahrers ausgelegt. Allerdings sollte beachtet werden, dass es sich im Falle eines Unfalls dennoch um eine Vertragsverletzung der eigentlichen Versicherung handelt, die beispielsweise eine Kündigung der Versicherung nach sich zieht.[12]

Fazit

Grundsätzlich ist die Blockchain-Technologie hervorragend geeignet, das eigene Fahrzeug an Unbekannte zu vermieten. Sie bietet die benötigte Sicherheit, Transparenz und Nachverfolgbarkeit, die es benötigt, um das eigene Auto zu vermieten. Hinzu kommt, dass Mehrkosten durch beispielsweise Plattformanbieter entfallen könnten und der bürokratische Aufwand sich verringern würde. Zukunftsvisionen zeigen auch hier großes Potential mit der sogenannten „DAO“, einer dezentralen autonomen Organisation, wodurch es Nutzern ermöglicht werden soll, eigene Smart Contracts abschließen sowie eigene Apps betreiben zu können.[13] Die Vermietung des eigenen Fahrzeuges könnte somit schnell und unkompliziert vollzogen werden, aber das Versicherungsthema bleibt. Hier sollten die Gesellschaften Modelle entwickeln, die eine künftige Abwicklung möglich machen. Weitere Herausforderungen, die sich stellen, hier aber nicht näher betrachtet werden sind beispielsweise die Notwendigkeit, die Abwicklung, der Datenschutz sowie Prozesse, Adaptionen oder auch die Akzeptanz innerhalb der Gesellschaft.

Warum SVA genau der richtige Partner für Sie ist?

SVA bietet hier bereits erste Erfahrungen und strategische Beratung für die verschiedensten Anwendungsbereiche, wie beispielsweise Optimierung von Carsharing Services, Smarte Versicherung, Verkaufs- und Reparaturhistorien von Fahrzeugen oder vertrauenswürdige Lieferketten. In dem Competence Center Automotive Big Data Services beschäftigen sich die Experten mit der Zukunft der Automotive Branche und haben die Mission, dieser den Weg zum Data Driven Enterprise zu ermöglichen.

 

[1] http://www.mobilitaet-in-deutschland.de/pdf/MiD2017_Zeitreihenbericht_2002_2008_2017.pdf; s.29

[2] http://www.mobilitaet-in-deutschland.de/pdf/MiD2017_Zeitreihenbericht_2002_2008_2017.pdf; s.35

[3] https://www.parkandjoy.de/blog-details/blockchain

[4] https://www.test.de/Autoversicherung-und-Fahrerkreis-Zusatzfahrer-versichern-so-gelingt-es-am-guenstigsten-5295104-0/

[5] https://de.getaround.com/eigenes-auto-vermieten

[6] https://www.computerwoche.de/a/blockchain-was-ist-das,3227284

[7] https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/konsensmechanismus-54411

[8] https://www.blockchain-insider.de/blockchain-trends-fuer-2021-a-987679/

[9] https://www.computerwoche.de/a/blockchain-was-ist-das,3227284

[10] https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/smart-contract-54213

[11] https://www.parkandjoy.de/blog-details/blockchain

[12] https://www.test.de/Autoversicherung-und-Fahrerkreis-Zusatzfahrer-versichern-so-gelingt-es-am-guenstigsten-5295104-0/

[13] https://blockchainwelt.de/dao-dezentrale-autonome-organisation-was-ist-das/

 

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