„Digitalisierung ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf“ – Interview mit Frank Lorenzoni, Weber Betonwerk GmbH

Digitalisierung, „Digitalisierung ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf“ – Interview mit Frank Lorenzoni, Weber Betonwerk GmbH

Bei der Digitalisierung ist Deutschland sehr viel weiter als es manchmal den Anschein hat. Viel zu oft liest man, wo es noch hakt – viel zu selten, was sich bereits getan hat! Das wollen wir ändern. Hier zeigen wir Ihnen, welche Schritte deutsche Unternehmen heute bereits gegangen sind und wohin der Weg sie noch führen kann. Wir präsentieren: Beispiele, die Mut machen. Lassen Sie sich inspirieren!

„Wir sind eigentlich in allen Bereichen des Unternehmens durchdigitalisiert“, sagt Frank Lorenzoni, Leiter der IT und Entwicklung der Weber Betonwerk GmbH. Im Interview erzählt er, welche Vorteile die Digitalisierung seinem Unternehmen bringt, auf welches Digitalisierungsprojekt er besonders stolz ist und worin seiner Meinung nach das Erfolgsgeheimnis liegt.

Für viele Unternehmen brachte die Pandemie einen Digitalisierungsschub mit sich. Wie war das bei Ihnen?

Lorenzoni: Wir waren ungefähr ein halbes Jahr vorher durch. Ob in der Kalkulation, der Konstruktion, der Entwicklung oder der Auftragsabwicklung: Alle Mitarbeiter, die über einen PC-Arbeitsplatz verfügen und dort personalisiert arbeiten, konnten dies bereits von zu Hause aus. Wir geben ihnen einfach einen Code, und sie können sich einloggen, egal wo sie sind. Diese Herausforderung hatten wir also zum Glück nicht mehr.

Die Digitalisierung Ihres Unternehmens ist schon weit fortgeschritten. Wo stehen Sie aktuell? 

Lorenzoni: Wir sind eigentlich in allen Bereichen des Unternehmens durchdigitalisiert – jetzt sind wir in der Phase der Verbesserung der Digitalisierung. Es gibt ein funktionierendes Netzwerk mit den entsprechenden Sicherheitsrichtlinien, ein ERP-System, das vollständig den Arbeitsprozess begleitet, digitale Dokumentenlenkungen, es gibt Arbeitsplätze im Produktionsbereich, an denen Mitarbeiter sich im ERP-System Funktionen abrufen können, … Dinge wie diese sind schon geschehen.

Digitalisierung ist aber kein Sprint, sondern ein Dauerlauf. Sie findet auch nicht einmalig, sondern nachhaltig statt. Das heißt: Ich muss diese Prozesse immer wieder bearbeiten und erneuern, um sie auf dem sinnvollen Stand der Technik zu halten.

Welche Digitalisierungsprojekte stehen für Sie momentan im Fokus?

Lorenzoni: Derzeit sind wir im Bereich der Produktion dabei, die Digitalisierung weiter voranzutreiben – zum Beispiel mit Laser-Projektions-Systemen und anderen Systemen, die uns unterstützen sollen, noch effizienter zu werden. Einen Schwerpunkt legen wir in diesem Jahr auf das gesamte Personalmanagement, von der Bewerber- bis zur Mitarbeiterverwaltung.

Im Bereich Vertrieb wollen wir es dem Kunden via Konfiguration ermöglichen, sich schon auf der Baustelle eine Kostenübersicht zu verschaffen. Die Algorithmik dahinter ist allerdings nicht ganz einfach.

Auf welches Ihrer Digitalisierungsprojekte sind Sie besonders stolz?

Lorenzoni: Das ist unser Kundenportal: Wir waren in unserer Branche die Ersten im Bereich der kundenspezifischen Auftragsproduktion, die den Kunden eine so umfangreiche Abrufmöglichkeit über moderne Technologie zur Verfügung gestellt haben. Darauf sind wir natürlich besonders stolz.

Wir sehen auch, dass das von den Kunden honoriert wird. Es ist nicht so, dass 100 Prozent unserer Kunden nur noch online bestellen würden, aber es sind doch 50 bis 70 Prozent, die so ihre Lieferabrufe und Planinformationen beziehen. Das ist schon eine Nummer! Wir sind selbst überrascht über den Anklang, den das gefunden hat

Das klingt spannend. Könnten Sie uns das Kundenportal bitte noch genauer vorstellen?

Lorenzoni: Unsere Kunden – in der Regel große aber auch kleinere Baufirmen – bekommen bei uns sowohl die technische Konstruktion als auch das Produkt: das Beton-Fertigteil, das wir ihm an die Baustelle liefern. Sobald ein Kunde uns einen Auftrag gegeben hat, hat er jetzt die Möglichkeit, sich über den Status zu informieren – und dies auch im Bereich seines Bauteilplanes.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wenn ein Kunde wissen will, wann er bei Haus A den Keller montieren kann, kann er sehen, dass seine Wände, Decken, Treppen, … gerade im Fertigungsstand sind. In einem späteren Stadium der Planung kann er sagen: Ich hätte die Wände gerne am Dienstag, die Decke am Mittwoch. Das war früher ein enormer Telefonieaufwand. Jetzt kann der Kunde alles online sehen – sowohl auf seinem mobilen Device als auch am PC-Arbeitsplatz.

Technisch gesehen ist das nichts anderes als eine Internetseite auf html5-Basis, die direkt mit unserer ERP-Datenbank verknüpft ist, sodass die Daten, die der Kunde sieht, dieselben sind, die wir auch intern haben. Er soll wirklich im Moment live sehen: Wie ist der Zustand des Elementes, das bei uns unter Umständen noch in der Konstruktion oder schon in der Produktion ist? Eins ist wichtig: Die Information muss stimmen! Gerade aus diesem Grund sind wir besonders stolz, das hinbekommen zu haben.

Worin lag die Herausforderung?

Lorenzoni: Es ist nicht nur ein reiner software-/hardware-technischer Schritt, sondern ein erheblicher organisatorischer Schritt, diese Interaktion mit dem Kunden so zu gestalten, dass der Benefit da ist – dass die Information, die der Kunde bekommt, stimmt. Das ist die Krux. Auch wenn sich etwas verzögert: Der Kunde kann es sehen. Aber man wird’s nicht glauben: Die Kunden schätzen es auch, wenn sie sehen: Oh, da hat etwas noch nicht funktioniert. Woran mangelt es? Kann ich helfen? Man versteht sich da eher als Partner, nicht als reiner Lieferant oder Auftraggeber.

Im Großen und Ganzen betrachtet: Welche Vorteile bringt die Digitalisierung Ihrem Unternehmen?

Lorenzoni: Viele Unternehmen suchen einen Kostenvorteil daraus zu ziehen. Das ist genau das, was wir nicht wollen. Wir wollen Arbeitszeit wertvoller einsetzen – so, dass dadurch sowohl im Produkt als auch im Service eine Qualitätssteigerung stattfindet. Unser Ziel ist es nicht, weniger Leute im Unternehmen zu haben, sondern die Leute, die wir haben, mit einem besseren Ergebnis einzusetzen. Der Vorteil ist: Wir bekommen auch junge Menschen dazu, die viel Spaß an neuen Technologien haben.

Wenn Sie gerade Ihre Ausbildung beendet oder Ihren Fachhochschulabschluss in der Tasche haben, und Sie müssen nichts anderes machen, als Lieferscheine zu sortieren, dann suchen Sie sich schnell einen anderen Job. Jetzt haben Sie auf einmal ganz andere Aufgaben: Sie können mit den Kunden telefonieren, Qualitätsmängel beseitigen, sich ansehen, wie ein neues Produkt sicher und ordentlich in unsere Teile eingebaut werden kann, … Das sind die Vorteile, die wir jetzt haben. Und das bedeutet auch: weniger Reklamationen.

Wie nehmen Ihre Kunden Sie wahr?

Lorenzoni: Unsere Hoffnung ist, dass der Kunde uns als modernes Unternehmen wahrnimmt, das seine Arbeitsprozesse im Griff hat – als einen verlässlichen Partner. Das ist der eine Aspekt. Der andere: Es kommen jetzt immer mehr jüngere Leute in die führenden Positionen, sei es auf der Baustelle, sei es im Ingenieurbüro. Diese Leute möchten natürlich nicht mit Fax arbeiten oder hunderte von E-Mails beantworten. Sie möchte sich einfach in unser Onlineportal einloggen, dort die Informationen bekommen, die sie brauchen, und bei weitergehenden Fragen den Ansprechpartner finden, der im aktuellen Projektstatus für sie der richtige ist. Das ist ein enormer Servicevorteil, der auch honoriert wird – besonders von dieser Generation. 

Worauf führen Sie den Erfolg Ihres Unternehmens bei der Digitalisierung zurück?

Lorenzoni: Es wird von jedem getragen – und dazu muss man Menschen motivieren. Ich denke, dass wir deswegen erfolgreich sind, weil wir vom Geschäftsführer und Inhaber bis zum Mitarbeiter in der Produktion jeden ernst nehmen und mit jedem das Gespräch darüber führen. Es wird nichts top-down verordnet.

Es ist mein Job, mit den Leuten zu kommunizieren, mich mit ihnen zusammenzusetzen und sie zu motivieren, mitzumachen und sich einzubringen. Es gibt junge Leute bei uns, Menschen im mittleren Lebensabschnitt und solche, die am Ende ihrer Arbeitslaufbahn stehen – und alle müssen Sie mitnehmen. Das macht sogar Spaß!

Letztendlich soll die Digitalisierung ja nichts anderes bewirken, als dass Mensch und Maschine vernünftig zusammenarbeiten können und zum richtigen Zeitpunkt die richtige Information bekommen. Digitalisierung ist ein „digitales Werkzeug“. Ich muss den Leuten die Chance geben, zu sagen, wie das Werkzeug beschaffen sein muss, damit sie es vernünftig einsetzen können.

Welche Aufgaben stehen jetzt an?

Lorenzoni: Wenn ich ganz ehrlich bin: Mein langfristiges Ziel ist auch, dass ich mich eines Tages verabschiede und einen Nachfolger finde. Digitalisierung ist keine One-Man-Show! Deshalb muss die Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vordergrund stehen – und auch derjenigen, die die Digitalisierung innerhalb des Unternehmens nach vorne treiben. Letztendlich ist die Aufgabe darin zu sehen, dass das Personal den ganzen Dingen auch langfristig standhalten kann. Mitarbeiterausbildung, ständige Schulung, Sensibilisierung in Richtung Datensicherheit … Solche Dinge stehen bei uns im Fokus. Sehr wichtig ist mir aber auch immer, dass nicht so viele Überstunden gemacht werden müssen. Wie können wir die Leistungen der Menschen, für die wir verantwortlich sind, so einteilen, dass sie nicht überlastet sind und dass sie sich entwickeln können? Das sind Aufgaben, die jetzt weitergeführt werden. Das ist nicht wenig!

Das waren sehr interessante Einblicke in Ihr Unternehmen. Vielen Dank, Herr Lorenzoni!

„Es beeindruckt mich, wie Herr Lorenzoni das Erfolgsrezept der Weber Betonwerk GmbH beschreibt. Es ist ihm sehr wichtig, mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu kommunizieren, sie ernst zu nehmen und die Möglichkeit zu bieten, sich selbst einzubringen. Wie er sehr treffend hervorhebt, hat Digitalisierung zwar viel mit Technik zu tun, aber letztlich sind die technischen Bestandteile nur „digitale Werkzeuge“ in menschlichen Händen. Ein wirklich toller Vergleich!“ 

Tina Quaas (Service Engineer im Team Change & Adoption bei SVA)

Digitalisierung, „Digitalisierung ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf“ – Interview mit Frank Lorenzoni, Weber Betonwerk GmbH

Über die Weber Betonwerk GmbH

Die vor über 60 Jahren gegründete Weber Betonwerk GmbH bietet ein breit gefächertes Sortiment an Beton-Fertigteilen für den Wohn- und Gewerbebau. Am Standort in Ippesheim stehen für die Produktion, Verwaltung, Lagerung und Logistik rund 135.000 qm Fläche zur Verfügung. In sechs Fertigungshallen werden mit modernster Technik hochwertige Beton-Fertigteile für private, gewerbliche und landwirtschaftliche Objekte produziert. Aktuell beschäftigt das Unternehmen fast 400 Menschen.

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