Ermutigende Führung als Erfolgsgarant – Interview mit York Braune und Christian Henschel, Yaveon

Digitalisierung, Ermutigende Führung als Erfolgsgarant – Interview mit York Braune und Christian Henschel, Yaveon

Der Microsoft-Partner Yaveon begleitet mittelständische Unternehmen bei der Digitalisierung. Heute stehen aber nicht die Kunden von Yaveon, sondern das Unternehmen selbst im Mittelpunkt. CEO York Braune und IT-Leiter Christian Henschel erklären, worauf es bei der digitalen Führung ankommt, wie sie die Digitalisierung technologisch vorantreiben und welche Herausforderungen das mit sich bringt. Dabei geben sie eine spannende Einschätzung, wo Deutschland bei der Digitalisierung steht und was die Zukunft bringen wird. 

Wie würden Sie den Stand der Digitalisierung bei Yaveon beschreiben? 

York Braune: Ich sehe die Digitalisierung unter zwei Gesichtspunkten: einmal unter dem technischen, einmal unter dem menschlichen. Gedanklich sind wir sowohl in der Führung als auch in der Umsetzung sehr weit. Beispielsweise arbeiten wir seit über einem Jahr sehr erfolgreich mit einem Team von annähernd 180 Menschen zu 98 Prozent remote. Unter anderem sitze ich hier in meinem Homeoffice bei München und manage die Company – gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen – vom Bildschirm aus. Und das funktioniert sehr gut. 

Wir investieren viel in das Thema Führung, und gerade auch in das Thema digitale Führung. Über den Bildschirm ist alles anstrengender. Es bedarf einer gewissen Nähe, die man erzeugen muss. Mit solchen Themen beschäftige ich mich zurzeit sehr viel. Ich teile mein Wissen und versuche, das Team zu ermutigen. Bei uns gibt es tatsächlich so etwas wie ermutigende Führung – bei der Christian sowie viele andere Kollegeninnen und Kollegen geholfen haben, diese umzusetzen … 

Christian Henschel: Als ich 2013 bei der Yaveon angefangen habe, war sie bereits sehr gut aufgestellt. Da wir ein Beratungshaus sind, war es schon immer Ziel, dass die Kolleginnen und Kollegen von überall aus arbeiten können. Dann kommt natürlich Microsoft ins Spiel, die, was Digitalisierung angeht, richtig Gas geben und uns zum Beispiel so ein tolles Tool wie Teams bereitstellen. Wir sind ein Jahr vor Corona darauf gewechselt – und sehr froh damit, weil es eine ganze Menge Möglichkeiten bietet, gerade zum Thema Führung. 

Welche speziellen Herausforderungen gibt es bei der digitalen Führung? 

Christian Henschel: Es ist natürlich ein Unterschied, ob ich mit meinem Team in einem Büro sitze oder ob wir dezentral überall verteilt sind. Ein kleines Beispiel für eine Veränderung: Wir hatten zuvor einmal im Monat ein Teammeeting – das haben wir jetzt wöchentlich. Man muss sich anders treffen, anders kommunizieren. 

York Braune: Die Herausforderungen sind sehr vielfältig. Bei digitalen Meetings merken wir glaube ich alle, dass sie unheimlich anstrengend sind. Das liegt auch daran, dass das Gehirn über den Bildschirm kaum nonverbale Reize aufnehmen kann und dies zu kompensieren versucht. Das verbraucht enorm viel Energie – und ist die Erklärung, warum wir uns bei solchen Meetings häufig platt fühlen. Was hilft? Kurze, knackige Meetings, es auf den Punkt bringen, Pausen machen. 

 Man muss die Leute außerdem ermutigen, aus ihren Komfortzonen rauszukommen. Sonst sagen viele nichts und gucken nur auf den Bildschirm. Wir machen jeden Mittwochmorgen einen Stand-up-Call mit allen Mitarbeitern. Dafür lasse ich mir verschiedene Dinge einfallen, wie eine Umfrage oder eine Challenge, um die Leute gefühlt näher heranzuholen.  

Das bedeutet aber auch, dass man sie mal spontan anruft. Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit sind wichtig. Einfach mal fragen: „Hey, Christian, wie geht’s dir denn?“ Das mache ich mit allen und versuche, Vorbild zu sein. So erzeugt man Zugehörigkeit. Das ist generell wichtig als unser Kernbaustein einer gesunden Unternehmenskultur. Aber es ist umso mehr wichtig, wenn man digital arbeitet. 

Richten wir den Blick auch noch einmal auf die technologischen Aspekte der Digitalisierung. An was arbeiten Sie da zurzeit? 

Christian Henschel: Wir haben Ende letzten Jahres unsere Infrastruktur aktualisiert. Früher hatten wir eine Drei-Schichten-Architektur. Historisch gesehen hat die IT bis vor ein paar Jahren – und teilweise macht sie das auch heute noch – diese drei Blöcke betreut, sie gewartet, sich ums Lifecycle-Management gekümmert, und dann auf den drei Bausteinen Server bereitgestellt. Dann hat die Fachabteilung ihren Server gekriegt, und danach hat’s die IT nicht mehr interessiert – überspitzt formuliert. 

Heute sieht’s durch die Digitalisierung eher so aus, dass man sich auf Services konzentriert, die man den Mitarbeitern bereitstellt. Da bleibt weniger Zeit, sich um eine Infrastruktur zu kümmern. Dem sind wir begegnet, indem wir auf eine topaktuelle Technologie gegangen sind. Aus drei Blöcken ist ein Block geworden, der softwaregesteuert ist. Wir haben uns quasi Cloudtechnologie ins Rechenzentrum gestellt. 

Darüber hinaus sind wir gerade dabei, unsere Cloudwelt auszubauen, um noch agiler zu werden. Ich nenne es immer gerne Self-Service-IT: also Bereiche in der Cloud zu schaffen, wo die Kolleginnen und Kollegen unabhängig von der IT agieren können. Der nächste Ansatz ist Bring your own Device. Egal, wann und wo einem Mitarbeiter ein Gedanke in den Kopf schießt: Er soll die Möglichkeit haben, über sein Handy in die Cloud zu gehen, dort die Daten abzulegen und später darauf zuzugreifen. Das sind die Dinge, die uns im Moment bewegen. 

York Braune: Gerade entwickeln wir auch Ideen, wie wir KI für uns intern nutzen können, um besser zu werden. Sie kann uns dabei helfen, aus Fehlern zu lernen. Im Optimalfall werden wir das auch ausrollen können für Kunden. 

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie in der IT? 

Christian Henschel: Neben dem Thema KI, bei dem wir gerade mit einsteigen, beschäftigen uns auch die Umstellungen, die wir in der Vergangenheit gemacht haben. Wir bauen unser Office 365 aus und verbessern es. Und wir haben vor zwei Jahren unsere Entwicklung umgestellt auf eine Containerentwicklung. Das sind alles riesige Herausforderungen. 

Zuvor war man in der IT gern gesehen als Generalist, der sehr breit aufgestellt war, wo es aber in manchen Themen in der Tiefe gefehlt hat. Wir merken, dass das so nicht mehr funktioniert. Wer Services für die Kollegen bereitstellt, muss sich bis ins letzte Bit und Byte auskennen. Das ist gerade die Herausforderung bei mir im Team: die Leute weg von einem Generalistendenken hin zu einem spezialisierten Denken zu bringen. Da muss sich also ein Kollege auf Office 365 spezialisieren, ein anderer auf Containerisierung, … Das hatten wir vor wenigen Jahren noch nicht. 

York Braune: Das kann ich bestätigen. Das ist sehr komplex und schwierig. Die Rollen verändern sich. Und ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen: Das gilt auch für andere Bereiche. Ganz deutlich sehe ich es zum Beispiel im Marketing, Stichwort Customer Journey. Da brauchen Sie Spezialisten, die viel mit Technik und Software zu tun haben. Das war früher ganz anders. 

Christian Henschel: Letztendlich zieht es sich durchs gesamte Unternehmen. Ein Entwickler muss jetzt plötzlich mit einer PowerShell selbstständig so einen Container erstellen und ihn pflegen, seine Images nachher wieder löschen, … Das sind alles Dinge, die ihn vorher nicht wirklich interessiert haben. Ich habe ihm einen Server hingestellt. Da waren seine Tools zum Entwickeln drauf, und das war’s. Das reicht heute nicht mehr. Er muss sich zumindest am Rande auch mit der Container-Technologie auskennen, denn ohne sie kann er nicht mehr entwickeln. Ich glaube, wenn man da durch die einzelnen Abteilungen geht: Es erwischt jeden. 

Yaveon begleitet mittelständische Unternehmen bei der Digitalisierung. Wie schätzen Sie dort den Stand der Dinge ein? 

York Braune: Wenn Unternehmen aus dem klassischen Mittelstand über Digitalisierung sprechen, meinen sie häufig erst einmal: Ich will einen Bestellprozess – oder irgendetwas anderes Papiergetriebenes – digital erfassen. Sie haben noch sehr einfache Anforderungen an das Thema Digitalisierung. Damit fangen wir an und versuchen, sie dann immer weiter auf eine digitale Reise mitzunehmen, um sie im Idealfall – je nach Bedarf – voll zu digitalisieren. Es sind nicht gleich die KI-Systeme, die sie implementieren, oder eine voll durchdigitalisierte Supply Chain, mit allem, was dazugehört. Das ist bei großen Unternehmen vielleicht schon fortgeschritten. Aber der klassische Mittelstand hat teilweise noch ganz andere Probleme, zum Beispiel mit der Verfügbarkeit von Internet. Es gibt Kunden, die würden gerne, aber können nicht, weil sie nicht die Bandbreite haben. 

Liegt Deutschland bei der Digitalisierung zurück? 

York Braune: Ich glaube, wir sind nicht so schlecht wie das viele sagen. Aber es ist viel versäumt worden. Ich möchte schon fast sagen: Man hat das aus einer Arroganz heraus nicht ernst genommen. Die Folge ist, das Unternehmen wie Google und Amazon uneinholbar sind. Wenn man sich anschaut, was in der Verwaltung alles noch nicht geht, und das mit anderen Ländern wie Lettland vergleicht: Da leben wir teilweise noch in der Steinzeit. 

Was wir jetzt aber in der Autoindustrie sehen, macht Mut. Sie hat den Turbo eingeschaltet und holt massiv auf. Tesla wird sich noch warm anziehen können. Ich glaube an die deutsche Wirtschaft, und es gibt viele, auch mittelständische Unternehmen, die gute Ideen haben und hoffentlich bald aufholen werden. Meine Hoffnung ist, dass die Industrie hier auch unterstützt wird von der Politik. 

Wie könnte die Digitalisierung Ihr Unternehmen zukünftig prägen? 

York Braune: Wir können wahrscheinlich auch noch deutlich digitaler werden. Immer mehr KI-Elemente werden in die Produkte von Microsoft Einzug halten, die wir verkaufen. Das wird natürlich angereichert durch eigene Applikationen. Auch in Bezug auf die Plattformökonomie wird im gesamten Gesundheitswesen einiges passieren in den nächsten Jahren – und die Unternehmen werden sehr viel davon haben. 

Über die Digitalisierung werden sich erhebliche Effizienzgewinne erwirtschaften lassen. Viele Industrien sind ja schon durchoptimiert und an einer Grenze angekommen. Doch durch die Digitalisierung überschreiten Sie dieses Level. Weil sie Daten besser lesen und verstehen können, können sie ihre Produktionsprozesse, ihre gesamte Supply Chain noch weiter optimieren, im Sinne einer Profitmaximierung. 

Außerdem wird sich die Arbeitswelt dramatisch verändern. Viele Berufe werden verschwinden. Davor kann man Angst haben. Aber auf der anderen Seite wird das riesige neue Chancen eröffnen für Berufsfelder, die es heute noch nicht gibt. 

Über die Yaveon AG 

Ob ERP-System, elektronischer Datenaustausch, Dokumenten- und Qualitätsmanagement, Business Intelligence oder CRM-Lösung: Als zertifizierter Goldpartner von Microsoft begleitet Yaveon mittelständische Unternehmen durch die Digitalisierung. Der Branchenfokus liegt dabei auf Pharma, Biotechnologie, Chemie, Medizintechnik, Lebensmittel und Kosmetik. Der Software-Anbieter mit Hauptsitz in Würzburg und sieben weiteren Standorten ist seit 2008 auf dem Markt und hat heute fast 180 Mitarbeiter.

War dieser Artikel für Sie interessant?