Energieeffizienz als strategische Unternehmensaufgabe
Energiemanagement entwickelt sich für Unternehmen zunehmend zu einem zentralen Hebel, um Energiekosten zu senken, regulatorische Anforderungen zu erfüllen und die eigene CO₂-Bilanz nachhaltig zu verbessern. Steigende Energiepreise, wachsende Transparenzanforderungen und gesetzliche Vorgaben wie das Energieeffizienzgesetz oder die ISO 50001-Norm rücken das Thema Energiemanagement immer stärker in den Fokus von Geschäftsführung, Produktion, Facility Management und Nachhaltigkeitsmanagement.
Gleichzeitig hat die Unternehmensnachhaltigkeit in der Politik und Teilen der öffentlichen Meinung aktuell einen schweren Stand: Politisch getriebene Leugnung des durch Industrie, Gebäude und Verkehr verstärkten Klimawandels, Versprechungen nach stärkerer Entbürokratisierung oder die Omnibus-Initiative der EU. Die von der EU geplanten, ursprünglich weitreichenden Nachhaltigkeits- und Reportingpflichten für Unternehmen und Behörden sind im Rahmen der Entbürokratisierung aktuell für einen Großteil der Unternehmen entschärft oder zumindest mittelfristig ganz gestrichen worden.
Warum Energiemanagement für Unternehmen wirtschaftlich relevant ist
Die Realität zeigt aber, dass viele Unternehmen in Deutschland das Thema Nachhaltigkeit bereits sehr viel ernster nehmen, als es Politiker und wenig informierte Bürger wahrnehmen wollen. Nachhaltigkeit wird zunehmend als wichtiger Faktor zur Optimierung unterschiedlichster Prozesse in Produktion, Lieferkette und Verwaltung und somit als Produktivitätsfaktor angesehen.
Ein wesentlicher Effizienz- und Kostenfaktor sowie wichtiger Datenlieferant in den Nachhaltigkeitsbemühungen von Unternehmen stellt das Thema Energiemanagement dar. Hohe Beschaffungskosten, fehlende verursachergerechte Verbrauchserfassung und mangelnde Transparenz im Umfeld von
CO₂-Fußabdruck und -Emissionen erschweren und verteuern den Betrieb in Produktion und Gebäudemanagement sowie die Compliance-Aufwendungen für Betrieb und Nachhaltigkeit.
Warum IT-Systemhäuser eine wichtige Rolle bei Nachhaltigkeit und Energiemanagement spielen
Nachhaltigkeit ist für ein größeres mittelständisches Systemhaus ein Spiel auf gleich mehreren Spielfeldern und unterschiedlichen Ebenen.
Nachhaltigkeit als Pflicht und Marktanforderung für IT-Dienstleister
Zum einen treiben uns selbst gesetzliche Verpflichtungen aus der eigenen unternehmerischen Tätigkeit als mittelgroßes Systemhaus mit 28 Niederlassungen und mehr als 3.700 Mitarbeitern. Auf der anderen Seite stehen die kommerziellen Anforderungen durch die Beratung unserer Kunden rund um einen nachhaltigen Betrieb von IT-Lösungen und Rechenzentren (Green IT) sowie dem Verkauf und der Implementierung von Standard-IT-Lösungen zur Unterstützung von Prozessen im Kontext von Nachhaltigkeits-Management, ESG-Reporting, Energiemanagement und Facility Management (Green OT).
Energiemanagement als Teil von Green IT und Green OT
Hierbei fokussieren wir uns im Kundenverhältnis besonders auf ‚Low-Hanging-Fruits‘ – in diesem Fall auf potenziell schnell kosten- und effizienzwirksame Themen rund um Energiecontrolling und -management. Zudem sind Unternehmen mit einem hohen Energieverbrauch gesetzlich angehalten, ein systematisches und kontinuierliches Energiemanagement gem. DIN ISO 50001 zu implementieren. Daher unterstützen wir auch diese Kundenprozesse im Rahmen unseres Lösungsportfolios aktiv.
Was bedeutet Energiemanagement? Abgrenzung zu Monitoring und Controlling
Der Begriff Energiemanagement ist in der öffentlichen Diskussion eher verschwommen. Wir unterscheiden hier aktuell drei Stufen, die sich im Grad des Nutzens, des erforderlichen Implementierungsaufwands sowie der Art der einzusetzenden IT-Werkzeuge unterscheiden:
- Energiemonitoring: Sammlung und Protokollierung von Energieverbrauchsdaten, i.d.R. tabellenbasierender Ansatz (z.B. Einsatz von EXCEL)
- Energiecontrolling: Rechnungskontrolle und verursachergerechte Zuordnung von Verbräuchen und Kosten, Anomalie-Überwachung von Medienverbräuchen und Umgebungsvariablen, Analytics- & KI- & modellgestützter Ansatz (z.B. Einsatz von Standard-Tools wie Splunk oder Elastic Search)
- Energiemanagement: Monitoring und Controlling, systematische Verwaltung von Energieverbrauch und Lastmanagement, systematischer Prozessansatz zur Energieverbrauchs-Optimierung gem. ISO 50001, erfordert Einsatz von professionellen Energiemanagement-Lösungen (z.B. die EMS-Lösung e3m)
Im weiteren Verlauf fokussieren wir uns auf das Thema Energiemanagement, das den weitaus größten positiven Effekt auf den Betrieb von Unternehmen hat – sowohl effizienz- & kosten-, als auch nachhaltigkeitsseitig. Zudem können professionelle Energiemanagement-Lösungen als Energieeffizienz-Software-Lösung BAFA-gefördert werden, was für viele Kunden ein zusätzliches Argument für eine solche Investition darstellt.
Wichtige Treiber für Energiecontrolling und Energiemanagement in Unternehmen
Es gibt wesentliche Treiber für die Implementierung einer Energiecontrolling- bzw. Energiemanagement-Lösung: behördliche Compliance (extrinsische Motivation) sowie energetische Effizienz und Betriebskosten (intrinsische Motivation).
Gesetzliche Anforderungen und Compliance
Nachdem die EU mit dem ‚Omnibus-Verfahren‘ Ende 2025 einen Großteil der Industrie von zusätzlichen Reportingpflichten bezüglich Nachhaltigkeit ‚befreit‘ hat, bleiben trotzdem einige behördliche Richtlinien, die Unternehmen zur Verbrauchstransparenz und kontinuierlichen energetischen Optimierung zwingen.
Im Folgenden eine kleine Auswahl von Gesetzen und Normen:
- Energieeffizienzgesetz (EnEfG): Gesetz zur Steigerung der Energie-effizienz für Unternehmen, Rechenzentren & öffentliche Einrichtungen. Zielsetzung: Reduzierung Energieverbrauch
- DIN EN 16247: Europäische Norm für freiwillige Energieaudits. Sie dient der strukturierten Analyse des aktuellen Energieverbrauchs und ist insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) geeignet. Ziel ist die Ermittlung des energetischen Ist-Zustands als Grundlage für die Identifikation und Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen.
- DIN ISO 50001: Internationale Norm für ein kontinuierliches Energie-management (Prozesse und Organisation). Eine Zertifizierung ist Voraussetzung für die Teilbefreiung von der EEG-Umlage und Entlastung von Unternehmen der produzierenden Gewerbe von der Strom- und Energiesteuer.
Eine Zertifizierung ist grundsätzlich freiwillig für alle Unternehmen. Für Großverbraucher mit einem Energieeinsatz von über 7,5 GWH/Jahr ist die Einführung eines Energiemanagementsystems jedoch verpflichtend. Ziel ist die Implementierung eines Energiemanagementsystems (Organisation und Software-Lösung) zur kontinuierlichen und überprüfbaren Steigerung der Energieeffizienz.
Kostensenkung durch effizientes Energiemanagement
Den motivierenden Faktor zur Implementierung von Nachhaltigkeitsmanagement und unterliegendem Energiemanagement sehen wir aktuell auf der Kostenseite. Die Vorteile eines Echtzeit-Monitorings liegen in einer lückenlosen Verbrauchs- und Kostentransparenz bis auf Abteilungsebene und ggf. sogar bis auf Leittechnik und Anlagenebene herunter:
- Verbrauchstransparenz gibt die Möglichkeit zur aktiven Steuerung des Energieeinsatzes, um teure Lastspitzen zu vermeiden und die Auslastung von Anlagen intelligenter und effizienter zu steuern.
- Verursachergerechte Verbrauchsabrechnung für Energie und sonstige Medien befähigt zur internen Verrechnung und ggf. Verteilung und Abrechnung von Nebenkosten.
- Anlagenbezogene Verbrauchsdaten liefern einen wertvollen Indikator für technische Schwachstellen. Eine automatisierte Anomalie-Erkennung kann technische Schäden z.B. an Antrieben (Motoren, Getriebe) rechtzeitig identifizieren. Dadurch lassen sich ungeplante, teure, störungsbedingte Stillstände vermeiden. Gleichzeitig bilden diese Daten die Grundlage für datengetriebene Instandhaltungskonzepte wie ‚Zustandsorientierte Instandhaltung‘ und ‚Predictive Maintenance‘.
Die Steigerung der energetischen Effizienz im Betrieb von Produktionsanlagen, Gebäuden und Fuhrparks hat unmittelbar messbare positive Auswirkung auf der Kostenseite.
Nachhaltigkeitsmanagement stärken mit verbesserter CO₂-Bilanz und ESG-Compliance
Neben den positiven finanziellen Aspekten unterstützt ein kontinuierliches Energie-management das Nachhaltigkeitsmanagement der Unternehmen.
- Ein verringerter Energieverbrauch führt unmittelbar zur Senkung von Emissionen und Verbesserung des CO₂-Fußabdrucks
- Ein unternehmensübergreifendes Energiemanagement liefert einen wesentlichen Anteil der quantifizierbaren Informationen für Nachhaltigkeits- und ESG-Reporting
- Energie- und umwelteffiziente Gebäude können nach globalen Standards wie DGNB (DE), LEED (USA) oder BREEAM (UK) zertifiziert werden. Eine solche Zertifizierung hat positive Auswirkungen auf die Bewertung und Benchmarks im Gesamtportfolio von größeren Immobilienbetreibern.
Analytics, KI und Automation: Die Zukunft des Energiemanagements
Viele der BAFA-geförderten Standard-Energiemanagement-Systeme (EMS) sind funktional vergleichbar und primär für die Nutzung durch spezialisierte Fachbereiche konzipiert. Durch den gezielten Einsatz zusätzlicher Analyse- und Reporting-Funktionalitäten lässt sich das Energiemanagement jedoch deutlich erweitern und professionalisieren, sodass auch weitere Geschäftsbereiche eines Unternehmens von dieser Fachbereichslösung profitieren können.
- Unterstützung Implementierung Energiemanagement gem. DIN ISO 50001,
relevant auch für das operative Facility Management bzw. die Werksinstand-haltung sowie Nachhaltigkeitsmanagement & ESG-Reporting- Funktionale Erweiterungen EMS mit Kennzahlen und Reports zur kontinuierlichen Reduzierung Energieverbrauch und CO₂-Fußabdruck
- Funktionalität zur Bewertung von Energieeffizienzmaßnahmen (VALERI)
- Funktionalität zur Identifikation Energie-Großverbraucher ‚Significant Energy Use‘ (SEU)
- Regressionsanalysen zur Korrelation von Energieverbrauch mit externen Einflussfaktoren
- Transparenz in der CO₂-Bewertung von Liegenschaftsportfolien, relevant auch für das kaufmännisch orientierte Liegenschaftsmanagement (Corporate Real Estate) sowie Nachhaltigkeitsmanagement & ESG-Reporting
- Ermittlung CO₂-Fußabdruck für Gebäude
- Bewertung und Prognose CO₂-Emissionen, CO₂-Benchmarking für Gebäude über Carbon Risk Real Estate Monitoring (CRREM)
- Nutzung von Echtzeitdaten aus der Gebäudeautomatisierung, relevant auch für das operative Facility Management bzw. die Werksinstandhaltung
- Standardintegration Gebäudeautomatisierung, Unterstützung der gängigen technischen Kommunikationsprotokolle
- Lastmanagement und Befähigung zum automatisierten Lastabwurf
- KI- und regelbasiertes ‚Technisches Monitoring‘ auf kritischen Datenpunkten mit automatisierter Anomalie-Erkennung. Anlehnung an AMEV-Klassifikationen. Zielsetzung ist das Anstoßen von datenbasierten Services im Instandhaltungs- und Facility Management
Fazit: Energiemanagement als Schlüssel für Kosteneffizienz, CO₂-Reduktion und Nachhaltigkeit
Energiemanagement wird unter Gesichtspunkten von Betriebskosten und Nachhaltigkeit für produzierende Unternehmen, Verwaltungen und größere Behörden immer wichtiger. Treiber für die Implementierung von EMS-Lösungen sind neben behördliche Compliance (Angst) eher intrinsische Faktoren wie persönliche Überzeugung, Effizienzsteigerung und Einsparpotential (Einsicht). Ein umfassendes Energiemanagement ist zudem einer der wesentlichen Datenlieferanten für ein unternehmensweites Nachhaltigkeitsmanagement, bzw. für einen Großteil der quantifizierbaren Daten für eine zusätzliche ESG-Berichterstattung zum Geschäftsbericht.
Über Zusatzfunktionalitäten kann ein Energiemanagement angereichert werden, um die operativen Anforderungen der ISO 50001 zu erfüllen und ein CO₂-Benchmarking für die kaufmännische Immobilienverwaltung zu ermöglichen.