VMware by Broadcom: Neue Lizenzmodelle, steigende Kosten und VCF 9 im Fokus

2022 – Broadcom kündigt an, VMware kaufen zu wollen. Seitdem fühlt sich VMware für viele wie ein alter Freund an, der plötzlich im Anzug auftaucht und Eintritt verlangt. Die bekannten Lizenzmodelle? Abgeschafft. Einzelprodukte? Gibt es nicht mehr. Wer heute nur vSphere betreiben möchte, bekommt nur noch die Komplettlösung VMware vSphere Foundation (VVF) oder VMware Cloud Foundation (VCF). Dennoch ist es für viele Kunden alternativlos.
Und so sehr es wehtut: Zum ersten Mal liefert VMware mit der Version 9 tatsächlich das seit Jahren versprochene, integrierte software-definierte Rechenzentrum aus einem Guss.


Gestern: VMware-Produkte als „IKEA-Bausatz”

Wer schon länger dabei ist, erinnert sich – VMware war früher die Lösung für Technik-Enthusiasten. ESXi-ISO auf den USB-Stick, Server booten und fertig war der Hypervisor. Ähnlich einfach war es mit dem vCenter Server, zumindest seit der integrierten Postgres-Datenbank.

Auch kaufmännisch war es simpel: Einzelprodukte, Perpetual-Lizenzen und Support nach Bedarf. Es wurde nur gekauft, was auch gebraucht wurde. Immer vSphere, eventuell vSAN und wer richtig gut war, nahm noch NSX für Netzwerkvirtualisierung und Mikrosegmentierung dazu. Kubernetes war bestenfalls ein wilder Traum. Das war echte Freiheit. Alles kann, nichts muss.

Doch genau wie die Anzahl der Einzelprodukte stetig gestiegen ist, so sind auch Komplexität und Aufwand für Installation bzw. Betrieb gewachsen.
Das sah auch VMware und begann Komplettlösungen zu verkaufen. EVO:Rail, EMC vSPEX Blue – die ersten HCI Appliances. Später dann Dell VxRail – damit kam zur Software die passende Server-Hardware dazu. Alles mit drastisch vereinfachter Installation, Pflege und natürlich vorab validiert bzw. getestet.

Gleichzeitig tauchten Begriffe wie VMware Validated Design auf – Referenzarchitekturen, welche geprüfte Design-Entscheidungen der Branche Produktübergreifend betrachteten und somit einen Standard für echte Software-Defined Datacenter bildeten.

Damit war der logische nächste Schritt, all das zu automatisieren – VCF wurde geboren.
Kein Produkt mehr – sondern eine Lösung, eine Plattform, eine Strategie!

Heute: VCF 9 – Kein Basteln mehr nötig dank Automatisierung

Mit VCF 9 ist die Marschrichtung klar: Compute, Storage, Netzwerk, Security, Management, Automation – alles wird gemeinsam geliefert, installiert und betrieben. VCF übernimmt, was früher jede Menge manueller Aufwand war – mühsames Pflegen von ISO-Dateien und Checklisten, Interoperabilität, Kompatibilität, … sind nicht mehr nötig.
Auch gehören stundenlanges Recherchieren in Kompatibilitätsmatrizen und Herstellerdokus oder mühsames Herausfinden von Installations- und Updatereihenfolgen der Vergangenheit an, denn alles ist durchautomatisiert bzw. vorgegeben.

Veränderungen durch VCF 9: mehr Automatisierung, Lifecycle Management und Zukunftssicherheit

  • Deployment ohne Nervenverlust (zumindest auf technischer Seite)
    Keine manuelle Installation der Einzelprodukte wie vCenter, NSX-Manager oder vSAN mehr. Mit Hilfe des VCF-Installers wird eine vorab geplante VCF-Installation automatisiert ausgerollt (inklusive Tests).
  • Lifecycle Management statt Patch-Chaos
    Die Updates sind orchestriert und automatisiert: ESX, vSAN, NSX und die Aria Suite werden nach erfolgreicher Validierung eingespielt bzw. aktualisiert. Alle Workflows laufen über die zentrale neue Oberfläche – VCF Operations.
  • Vergessene Tools rücken in den Fokus
    VCF Operations und VCF Automation (ehemals vRealize/Aria Suite) – früher optionale Add-ons, sind heute Kernbestandteil. Sie liefern umfangreiche Funktionen wie Monitoring, Forecasting, Chargeback, Self-Service und Automatisierung – direkt out of the Box.
  • Zukunftssicherheit durch Zwang
    vSphere 8 läuft Ende 2027 aus dem Support. vSphere Version 9 und folgende gibt es nur noch mit VVF oder VCF Lizenz. Dasselbe gilt für Kubernetes. Wer bleiben will, muss upgraden.

VCF 9 Migration: Warum der Umstieg ein strategisches Projekt ist

Egal ob von vSphere-only oder VCF 5.x – der Sprung auf VCF 9 ist keine Kleinigkeit. Es ist ein grundlegender Architekturwechsel, dessen Auswirkungen über die reine Technik hinaus bis auf das Betriebsmodell des Kunden reichen.

  • Kostenexplosion
    Die Preisstruktur hat sich spürbar verändert: Subscriptions statt Perpetual-Lizenzen und Bundles statt Einzelprodukte. Wer früher gezielt nur vSphere oder vSAN lizenzierte, kauft heute das Gesamtpaket – inklusive Komponenten, die unter Umständen gar nicht genutzt werden. Da fällt die Akzeptanz schwer.
  • Technische Komplexität steigt
    Mit VCF steigt die technische Komplexität deutlich. NSX ist bei VCF verpflichtend, somit lässt sich das Netzwerk nicht mehr „nebenbei mitbetreiben“. Workload Domains sind kein optionales Designkonzept, sondern Basisbestandteil, deren Verwaltung über VCF Operations erfolgt.
  • Planungsaufwand als Tribut für simple Installation
    Die Installation ist komfortabel – Wizard starten, Parameter eintragen, warten. Die eigentliche Herausforderung liegt davor: Welche Architektur wird gewählt? Welche Schnittstellen sind nötig? Welche Voraussetzungen muss die eigene IT schaffen?
  • Migration tut weh
    Greenfield-Deployment wäre der Traum. Leider ist das in der Praxis aber selten der Fall. Überwiegend läuft es auf einen Parallelbetrieb mit anschließender Migration hinaus. Die Komplexität hängt stark von der bestehenden Umgebung ab. In jedem Fall gilt: Mit der Entscheidung warten, macht es nur schlimmer. Auch sollte ausreichend Zeit dafür eingeplant werden.
Abbildung 1: Veränderungen bei der Migration einer VMware vSphere Umgebung zur neuen VCF 9 Architektur

VMware-Strategie 2026: Welche Optionen haben Unternehmen?

Den meisten Verantwortlichen ist es längst bewusst: Ein modernes Datacenter ohne integrierte, weitgehend automatisierte Plattform ist auf Dauer nicht tragbar. Darum streben Unternehmen eine Entwicklung in eben diese Richtung an – nur die Ansätze sind individuell. Während manche auf gigantische Skriptsammlungen setzen, versuchen es andere mit zusätzlichen Drittanbieter-Tools, die alle Einzelteile wieder verknüpfen sollen. In jedem Fall gilt: Eigenentwicklung bedeutet Aufwand. Sie bindet Zeit, Personal und somit Geld.

Genau hier setzt VCF an. Es übernimmt wesentliche Teile der Integrations- und Automatisierungsarbeit. Und das nicht nur standardisiert, sondern auch professionell getestet und vor allem supportet. Im Kern macht es VMware also zu dem, was es schon lange sein wollte – das Fundament des Rechenzentrums, nicht nur ein Hypervisor mit Zubehör.

Die einzige echte Alternative wäre der Ausstieg aus dem VMware-Ökosystem. Diese Diskussion startet oft beim Hypervisor, doch weitet sich schnell auf andere Bereiche aus. VMware ist heute Compute, Storage, Netzwerkvirtualisierung, Monitoring, Logging, Automatisierung und Kubernetes in einem. Wer sich davon lösen will, muss für jeden Bereich eine Alternative finden, Workloads migrieren, Personal schulen und zu guter Letzt die Automatisierung neu entwickeln. Das alles kostet Monate, wenn nicht gar Jahre an Aufwand.

Im späteren Betrieb steht man dann mit einer Vielzahl an Herstellern, die sich im Supportfall gegenseitig die Schuld zuschieben und den Kunden als Leidtragenden zwischen den Fronten zurücklassen. Gefühlt gewinnt man Herstellerunabhängigkeit, bezahlt diese aber mit deutlich gestiegener Betriebskomplexität und dem damit verbundenen Risiko.


Fazit: Strategische Entscheidungen im VMware-Ökosystem treffen

Broadcom hat seine neue Strategie klar gemacht. Auf dieser Basis muss sich nun jedes Unternehmen überlegen, wie es ihr begegnet. Und das möglichst emotionslos, klar und faktenorientiert. Auch ein Wechsel ist alles andere als günstig.